1. Moorschutz in Deutschland: Lebensraum, Klimaschutz und Herausforderung
Moore sind in Deutschland vielfältig und wichtig. Sie sind Lebensraum für hoch spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, speichern große Mengen an Wasser und Kohlenstoff und sind daher wichtige Klimaschützer.
In Deutschland gibt es rund 1,4 Millionen ha Moore, davon werden 910.000 ha landwirtschaftlich genutzt!
Die Gesamtfläche unterteilt sich in 336.000 ha Hochmoore und rund 1,08 Millionen ha Niedermoore.
Moore sind Lebensraum für den Menschen, die Pflanzen und die Tierwelt. Und wurden bzw. werden bis heute als Rohstoffquelle und Kultstätten genutzt.
In den letzten Jahren ist jedoch ein neuer Aspekt in den Vordergrund gerückt:
Moore sind wichtige Klimaschützer!
Ungestörte Moore speichern große Mengen an Wasser und Kohlenstoff. Sie sind daher wichtige Puffer gegen Überschwemmungen und Dürren. Außerdem binden Moore Kohlenstoff aus der Atmosphäre, was dazu beiträgt, den Klimawandel zu bekämpfen.
Bei der Entwässerung verlieren sie diese Funktionen.
Entwässerte Moore sind dann Erzeuger von Klima schädigenden Gasen wie Kohlendioxid, Lachgas und Methan.
Heute sich weit über 90 Prozent der Moore entwässert.
Die Renaturierung ist ein zentrales Ziel. Nur renaturierte Moore können ihre natürlichen Funktionen wieder ausüben und so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
2. Aktuelle Situation der Moore
Bedeutung der Renaturierung von Moorflächen
In den letzten Jahrzehnten hat der Naturschutz verstärkt Anstrengungen unternommen, Moore zu renaturieren.
Der Grund ist das Moore einzigartige Ökosysteme mit vielfältigen Funktionen sind. Sie sind Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sie speichern große Mengen an Kohlenstoff und sie spielen eine wichtige Rolle beim Hochwasserschutz und der Wasserversorgung.
Artenvielfalt sichern
Moore sind Heimat für zahlreiche seltene und gefährdete Arten. So finden sich in Mooren beispielsweise Libellen, Schmetterlinge, Sumpfvögel und Amphibien. Die Renaturierung von Mooren trägt dazu bei, diese Artenvielfalt zu erhalten.
Klimaschutz
Moore speichern große Mengen an Kohlenstoff.
Durch die Speicherung im Torf gelangt der Kohlenstoff nicht in die Atmosphäre. Man bezeichnet Moore daher auch als Kohlenstoffsenken.
Eine Renaturierung von Mooren führt also zur Verringerung der Treibhausgasemission und und wirkt dem Klimawandel entgegen.
Hochwasserschutz und Wasserversorgung
Moore sind in der Lage, große Mengen an Wasser zu speichern. Das trägt dazu bei, Hochwasser zu verringern und die Wasserversorgung zu sichern. Die Renaturierung von Mooren kann dazu beitragen, diese Funktionen zu verbessern.
Ökosystemdienstleistungen
Moore erbringen noch eine Reihe weiterer Funktionen für den Menschen. So tragen sie beispielsweise zur Luftreinhaltung, zum Bodenschutz und zur Wasserqualität bei. Die Renaturierung von Mooren kann dazu beitragen, diese Funktionen zu erhalten oder wiederherzustellen.
Fazit
Moore sind wertvolle Ökosysteme. Ihre Renaturierung ist wichtig für den Naturschutz, den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel.
Die Methan-Emissionen kann bei völlig intakten Moorflächen vernachlässigt werden, weil sie durch das Torfwachstum kompensiert wird.

3. Warum Moore jetzt geschützt werden müssen
- Die Bereitstellung von Lebensraum für eine Vielzahl von hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten. Moore sind Heimat für eine Vielzahl von seltenen und gefährdeten Arten, darunter Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische und Insekten.
- Die Regulation von Wasser- und Stoffflüssen. Moore wirken als natürliche Wasserspeicher und Filter. Sie tragen dazu bei, Hochwasser zu verhindern, die Wasserqualität zu verbessern und Nährstoffe aus dem Wasser zu entfernen.
- Die Speicherung von klimarelevanten Gasen. Moore sind wichtige Kohlenstoffspeicher. Sie speichern mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen.
- Die Erhaltung von archäologischen Funden. Moore sind hervorragende Konservierungsmittel. Sie können Knochen, Holz und andere organische Materialien über Jahrtausende hinweg erhalten.
Entwässerte Moore können diese Funktionen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr erfüllen.
Die Entwässerung von Mooren führt zu einer Zerstörung des Lebensraums für viele Tier- und Pflanzenarten.
Pflanzen die in Mooren wachsen, benötigen bestimmte Wasserstände, um zu überleben. Ist der Wasserstand zu niedrig vertrocknen die Pflanzen und sterben ab. Dadurch wird der Lebensraum für viele Tiere, die auf diese Pflanzen angewiesen sind, vernichtet.
Entwässerte Moore verlieren auch ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern und zu filtern. Dadurch können sie nicht mehr dazu beitragen, Hochwasser zu verhindern und die Wasserqualität zu verbessern.
Die Entwässerung von Mooren führt außerdem zur Freisetzung von klimarelevanten Gasen.
Der sich in Morren bildende Torf, bestehen hauptsächlich aus Kohlenstoff. Werden diese Torfe entwässert, beginnt ihre Zersetzung, was zur Freisetzung von
Kohlendioxid führt und im Weiteren die Erwärmung des Klimas zur Folge hat.
Der Verlust von Mooren ist eine ernstzunehmende Bedrohung für die Umwelt und den Klimaschutz.
Der Schutz und die Wiedervernässung von Mooren sind daher wichtige Aufgaben.
Hier sind einige konkrete Maßnahmen, die zum Schutz von Mooren beitragen können:
- Die Entwässerung der Moore stoppen bzw. rückgängig machen
- Schutz der Moore als Lebensraum für die Tier- und Pflanzenwelt
- Die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken

Die Entwässerung von Mooren hat einen großen Effekt für den Klimawandel, da sie die Freisetzung von Kohlendioxid und Lachgas in die Atmosphäre bewirkt.
4. Entstehung von Mooren und deren Nutzung
Torf entsteht in Mooren, die sich an Standorten bilden, die zumindest zeitweise Wasserüberschuss aufweisen. Die hohen Wasserstände hemmen die Zersetzung der Biomasse, die durch die wachsenden Pflanzen im Lauf des Jahres gebildet wird. Dies ist im Wesentlichen auf den geringeren Sauerstoffgehalt im Wasser gegenüber der Luft zurückzuführen. Der Sauerstoff ist für viele Bakterien und Pilze, die an der Zersetzung beteiligt sind, lebensnotwendig.
Wird jedes Jahr mehr Biomasse gebildet, als sich durch die sauerstoffarmen Verhältnisse zersetzen kann, wächst das Moor auf, es entsteht Torf. Torfe bestehen dabei im Wesentlichen aus Kohlenstoffverbindungen, die die grünen Pflanzen durch die Photosynthese gebildet haben. Sie enthalten somit durch das Pflanzenwachstum fixiertes Kohlendioxid – den wichtigsten Motor des aktuellen Treibhauseffektes.
Moore stellen einen sehr effektiven Speicher für den Kohlenstoff dar: Obwohl nur drei Prozent der Erdoberfläche von Mooren bedeckt sind, werden dort über 30 Prozent der gesamten Bodenkohlenstoffvorräte gespeichert.
- Primärstadium:
In dieser Phase wird die Torfbildung durch die Ansammlung von abgestorbenen Pflanzenteilen in einem Wasserüberschußgebiet eingeleitet. Die Pflanzen, die in Mooren wachsen, sind in der Regel Torfmoose (Sphagnum). Torfmoose sind sehr wasserspeichernd und bilden eine dichte Moosmatte, die das Wasser im Moor zurückhält. - Sekundärstadium:
In dieser Phase beginnt sich der Torf zu bilden. Die abgestorbenen Pflanzenteile werden durch die sauerstoffarmen Verhältnisse im Wasser nicht vollständig zersetzt, sondern lagern sich ab. Der Torf wächst dabei in die Höhe. - Tertiärstadium:
In dieser Phase ist der Torf bereits mehrere Meter dick. Der Torf wird weiter abgebaut, aber er wächst auch weiter in die Höhe.
Die Entstehung von Torf ist ein sehr langsamer Prozess. Es dauert etwa 1000 Jahre, bis eine Torfschicht von einem Meter entsteht.
Moore wurden erst spät urbar gemacht, da sie trockengelegt werden mussten. Dies war aufwendig und erforderte viel Zeit. Daher beschränkte sich die Nutzung zunächst auf die Moorränder.
Zu den ersten Nutzungen gehörten Jagd, Brennholzeinschlag und die Anlage von Fischweihern. Fischweiher waren in Mooren besonders gut geeignet, da sie in Senken angelegt werden konnten und so mit Wasser versorgt wurden.

Torfstichgraben (Quelle: Kreisarchiv Stormarn
https://www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/50474/)
Torfabbau verändert Moore grundlegend. Die Torfe müssen trockengelegt und die Pflanzenschicht entfernt werden. Erst dann können die Torfe gestochen werden.
Sehr schön kann man hier anhand der Birken sehen wie das die Dämme zur Wiedervernässung stark mineralisiert sind und teilweise eingesackt.
Durch die Trockenlegung von Mooren ist eine landwirtschaftliche Nutzung möglich. In ehemaligen Mooren wird hauptsächlich Grünlandwirtschaft und Forstwirtschaft betrieben. In nährstoffreicheren Niedermoorböden wird auch Ackerbau betrieben.
Die Entwässerung von Mooren ist eine der häufigsten Nutzungen und hat weitreichende Folgen.

Hier sieht man die Torfmoorschwimmdecken, die für ein Teilerfolg der Wiedervernässung sprechen.
Durch die Entwässerung gelangt Luftsauerstoff an die organische Substanz im Torf. Diese beginnt sich zu zersetzen und die Torfe werden instabiler.
Die Poren im Torf, die für die Wasseraufnahme wichtig sind, schrumpfen. Dadurch kann das Moor weniger Wasser speichern und es kommt zu Staunässe.
Die Zersetzung des Torfs wird durch Bodentiere wie Regenwürmer beschleunigt. Dies führt zu einer Vererdung des Bodens und zu einer Veränderung der Bodenstruktur.
Die veränderten Torfe sind nicht mehr in der Lage, die ursprünglichen Funktionen eines Moores zu erfüllen. Sie sind weniger wasserspeichernd, weniger stabil und bieten weniger Lebensraum für Moorpflanzen und -tiere.
Der Torfabbau ist eine hochgradige Schädigung von Mooren. Zur Folge werden dadurch große Mengen an CO2 freigesetzt.

(Quelle:Kreisarchiv Stormarn https://www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/50418/
Teilweise lohnte sich der Abbau in flachen Bereichen nicht, was zur Folge hat das Moorruinen mit großen Niveauunterschieden zurück bleiben.
Die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren ist ebenfalls mit der Entwässerung verbunden. Die Düngung von Mooren führt zu einer weiteren Beschleunigung der Torfzersetzung.
5. Zieldefinition Moorrenaturierung und Maßnahmen
Moorrenaturierung beginnt mit Zieldefinition
Bei der Moorrenaturierung ist es wichtig, sich zunächst zu fragen, welchen Zustand das Moor am Ende der Maßnahmen haben soll. Diese Zieldefinition ist die Grundlage für die Auswahl der geeigneten Maßnahmen.
Leitbild als Orientierung
Das Leitbild soll eine allumfassende Darstellung der Entwicklung bzw. Wiederherstellung zeigen und eine Orientierung für weiterführende Maßnahmen darstellen.
Potenziell natürlicher Zustand als Orientierung
Bei der Zieldefinition kann auch der potenziell natürliche Zustand des Moores als Orientierung dienen. Dieser Zustand ist der, den das Moor ohne menschlichen Einfluss hätte.
Verschiedene Moortypen
Moore sind sehr unterschiedlich. Neben den Hochmooren gibt es in Mitteleuropa noch neun weitere hydrologische Moortypen. Diese unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung, ihrem Nährstoffhaushalt und in den vorkommenden Tier- und Pflanzenarten.
6. Leitbilder und Ziele der Moorrenaturierung
Moorrenaturierung zielt darauf ab, die natürlichen Funktionen von Mooren wiederherzustellen oder zu erhalten. Dazu werden Maßnahmen durchgeführt, die den Wasserhaushalt von Mooren regulieren, die Lebensräume von Moorpflanzen und -tieren verbessern und die Moorböden schützen.
Leitbilder
Moorrenaturierung sollte auf einem Leitbild basieren, das die Ziele und Grundsätze der Maßnahme beschreibt. Mögliche Leitbilder sind:
- Klimaschutz: Moorrenaturierung kann dazu beitragen, Treibhausgase zu binden und den Klimawandel zu bekämpfen.
- Artenschutz: Moore sind Lebensraum für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Moorrenaturierung kann dazu beitragen, diese Arten zu schützen und zu fördern.
- Naturschutz: Moore sind wertvolle Ökosysteme, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen. Moorrenaturierung kann dazu beitragen, diese Funktionen zu erhalten oder wiederherzustellen.

(Foto: Saher Manna Quelle: Kreisarchiv Stormarn;
Link: https://www.kreisarchiv-stormarn.de/mediadb/434095/)
Ziele
- Stabilisierung und Anhebung des Moorwasserspiegels: Dies ist das zentrale Ziel der Moorrenaturierung, da es die Wiederherstellung der natürlichen Funktionen von Mooren ermöglicht.
- Schutz und Entwicklung lebensraumtypischer Biotope und Arten: Moorrenaturierung kann dazu beitragen, die Lebensräume von Moorpflanzen und -tieren zu verbessern und seltene und gefährdete Arten zu fördern.
- Nachhaltige Nutzung der Ressourcen: In einigen Fällen kann eine nachhaltige Nutzung von Moorressourcen mit dem Leitbild der Moorrenaturierung vereinbar sein.
Maßnahmen
Die konkreten Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele der Moorrenaturierung sind von den jeweiligen Standortbedingungen und den Zielen der Maßnahme abhängig. Mögliche Maßnahmen sind:
- Bau von Dämmen und Gräben: Diese Maßnahmen können dazu beitragen, den Wasserhaushalt von Mooren zu regulieren.
- Entfernung von Bäumen und Sträuchern: Dies kann dazu beitragen, den Lichteinfall in das Moor zu erhöhen und die Lebensräume für Moorpflanzen
und -tiere zu verbessern. - Zielkonflikte:Renaturierung von Mooren ist ein komplexes Unterfangen, das oft mit Zielkonflikten verbunden ist. Dies liegt daran, dass Moore viele verschiedene Funktionen erfüllen, die sich nicht immer miteinander vereinbaren lassen.
Ein Beispiel für einen Zielkonflikt ist die Wiedervernässung von Mooren.
Sie ist wichtig, um den Klimaschutz zu unterstützen, da Moore große Mengen an Kohlendioxid speichern. Allerdings kann sie auch dazu führen, dass die Lebensräume für bestimmte Arten verloren gehen.
Auch die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren stellt einen solchen Konflikt dar. Moore können landwirtschaftlich genutzt werden, allerdings ist die Bewirtschaftung von wiedervernässten Mooren oft schwierig oder gar unmöglich.
Um Zielkonflikte bei der Renaturierung zu vermeiden, ist es wichtig, die verschiedenen Funktionen von Mooren zu berücksichtigen und alternative Nutzungskonzepte für wiedervernässte Moore zu entwickeln.
7. Geschädigte Moore wieder vernässen
Geschädigte Moore können durch Wiedervernässung in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden.
Dafür müssen die Gräben, die zur Entwässerung angelegt wurden, wieder verschlossen werden.
Häufig sind die Gräben noch wasserzügig, auch wenn sie auf den ersten Blick nicht mehr als entwässernd erkannt werden. Um das Wasser im Moor zu halten, muss daher zunächst eine genaue Untersuchung der aktuellen Gegebenheiten vor Ort erfolgen.
Bei der Wiedervernässung sind folgende Aspekte zu beachten:
- schrittweise Vernässung, um den Moorkörper nicht zu überlasten
- natürliche Wasserverhältnisse wiederherstellen
- ökologische Funktion des Moores wiederhergestellen
Die Wiedervernässung von Mooren ist ein komplexer Prozess, der sorgfältig geplant und durchgeführt werden muss. Die Kosten für diesen Prozess sind hoch, aber die ökologischen und ökonomischen Vorteile sind es wert.

Lebensräume und Arten
Vor Beginn einer Wiedervernässung werden im gesamten Gebiet die Biotope erfasst.
Die Erfassung dient dazu, über den Zeitraum der Renaturierung die Veränderungen der Biotope fortlaufend sichtbar zu machen.
Durch den Anstieg des Wasserstandes verändern sich die Standortsverhältnisse.
Je nachdem wie hoch der Wasserstand auf den Flächen ist, wird es zur Veränderung in der Vegation kommen. Verschiedene Pflanzen werden sich ansiedeln. An Hand dieser Vegetation kann entschieden werden, ob eine Wiedervernässung überhaupt die gewünschte Wirkung bringt.
Hat sich bereits eine an hohe Wasserstände angepasste Vegetation gebildet, hat bspw. der Bau einer Sperre nur einen geringen Effekt.
Neben den Biotopen spielen auch vorkommende Tier- und Pflanzenarten eine wichtige Rolle bei der Planung einer Wiedervernässung. Eine Bestandsaufnahme kann beispielsweise ergeben, dass durch die Vernässung und des damit erhöhten Wasserstandes, der Standort so verändert wird, dass seltene und gefährdete Arten ihren Lebensraum verlieren. In diesem Fall müsste die Planung der Sperre überdacht oder sogar verworfen werden.
8. Gelände-, Wasser- und Bodenverhältnisse
In Vorbereitung einer Wiedervernässung eines Moores, sind zuerst die Torftypen und die Geländeoberfläche des Gebiets zu erfasses.
Die Torftypen bestimmen die Porenvolumina des Torfes, die die Bewegung und damit die Wirksamkeit des Wassers im Torfkörper stark beeinflussen. Die Mächtigkeit des Moores ist ebenfalls wichtig, da die Bohlen der Sperren so tief in den Torf eingebracht werden müssen, dass sie stabil verankert sind.
Die Geländeoberfläche eines Moores ist oft durch Spuren des Torfabbaus geprägt. Alte Torfstichkanten und Gräben können Höhenunterschiede von mehreren Metern verursachen. Solche großen Höhenunterschiede können mit den gängigen Sperrentypen nicht überwunden werden. Auch kleine und sanft verlaufende Höhenunterschiede müssen bei der Planung berücksichtigt werden. Liegt der Ablauf einer Sperre auf höherem Niveau als das Umland, wird diese umspült.
Digitales Geländemodell
Ein digitales Geländemodell (DGM) kann einen groben Gesamtüberblick über die Höhenverhältnisse im Gebiet geben. Es kann zur Erstellung herangezogen werden, um bestehende Gräben und Torfstichkanten zu identifizieren. Die Daten des DGM können jedoch nicht die spätere genaue Vermessung der Sperrenstandorte ersetzen.
Entwässerungssystem
Das Entwässerungssystem des Moores muss ebenfalls erfasst werden. Dazu werden Entwässerungsgräben und Torfstichkanten vermessen und deren Zustand sowie die Abflussmenge des Wassers notiert. An verschiedenen Stellen im Grabensystem werden die elektrische Leitfähigkeit und der pH-Wert gemessen. Beide Werte geben Aufschluss darüber, ob es sich um nährstoffarmes Wasser aus dem Moor handelt oder das Wasser aus dem basenreicheren Untergrund beziehungsweise Umland kommt.
Wasserstand
9. Maßnahmen
Die Planung von Wiedervernässungsmaßnahmen beginnt mit der Erhebung von Daten zum Moorgebiet. Dazu gehören Informationen über die Topografie, den Wasserhaushalt, die Vegetation und die Nutzung des Gebiets. Anhand dieser Daten werden die optimalen Standorte für Sperren festgelegt.
Um den Wirkungsbereich einer Sperre möglichst weit auszudehnen, werden im Verlauf eines Grabens mehrere Sperren eingebaut. Dabei ist darauf zu achten, dass der Rückstau der tiefer liegenden Sperre nur bis knapp unterhalb der dem Graben aufwärts folgenden Sperre reicht. Bei einem hohen Gefälle ist die Wirkung einer einzelnen Sperre nicht so weitreichend wie bei einem langsamen Geländeanstieg. Daher müssen in diesem Fall entsprechend mehr Sperren eingeplant werden.
Häufig besteht ein Entwässerungssystem aus parallel verlaufenden Gräben. Um eine möglichst weit in die Fläche reichende Wirkung zu erzielen, werden die Sperren auf Lücke geplant. Das bedeutet, dass die Sperren nicht in jedem Graben eingebaut werden, sondern in regelmäßigen Abständen.
Vor dem Bau werden die Standorte der Sperren im Gelände genau eingemessen. Anhand des aufgenommenen Grabenprofils werden der Bautyp, die Länge und die Tiefe der Sperre bestimmt. Besonders wichtig ist die Einhaltung der Anstauhöhe einer Sperre. Die Anstauhöhe muss so gewählt werden, dass der geplante Wirkungsbereich erreicht wird und die Sperre nicht umspült wird.
Bei der Wieder-Vernässung von Mooren ist auch das Umland zu berücksichtigen. Um die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nicht negativ zu beeinflussen, sollten die Wieder-Vernässungsmaßnahmen so geplant werden, dass sie sich nicht auf die genutzten Flächen auswirken. In der Regel konzentrieren sich Wieder-Vernässungsmaßnahmen daher auf die Zentren der Moore.
Sperren
In den letzten 30 Jahren haben sich die Bauwerke zur Vernässung von Mooren grundlegend weiterentwickelt. Die Erfahrungen aus vorangegangenen Bauprojekten wurden bei jeder neuen Bauphase berücksichtigt.
Grundsätzlich sollten Bauwerke zur Vernässung folgende Anforderungen erfüllen:
- Wasserwirksamkeit: Die Bauwerke sollten möglichst langfristig das Wasser wirksam einstauen.
- Statische Sicherheit: Die Bauwerke sollten auch bei hohen Wasserständen das Wasser sicher zurückhalten.
- Wartungsarmut: Die Bauwerke sollten zumindest mittelfristig wartungsarm sein, um Folgekosten zu minimieren
Damm
Ein Damm wird in der Regel aus vor Ort vorhandenen Materialien wie Torf, Holzschnitzeln oder mineralischen Stoffen aufgeschüttet und wird zusätzlich durch Stammhölzer stabilisiert. Damit ist er eine kostengünstigere Alternative zu herkömmlichen Grabensperren.
Wenn ein Damm aus Torf gebaut wird, muss die Sackung und Zersetzung des organischen Materials berücksichtigt werden. Dann ist es notwendig ihn entsprechend höher auf zu schütten.
Da Dämme meist große Materialmengen benötigen, die mit schweren Maschinen verbaut werden, kommen sie vor allem in Mooren zum Einsatz, die durch Wege gut erschlossen sind oder durch Torfabbau stark gestört sind.
Grabensperren
In tiefgründigen Mooren ist der Einsatz von schweren Materialien wie Betonfertigteilen für Grabensperren nicht möglich, da diese ohne Gründung im Torf versinken würden. Daher werden für Sperren leichte Materialien, wie Holz und Plastik verwendet und zusätzlich durch eine Torfschüttung ergänzt.
In der Vergangenheit wurden Sperren teilweise aus senkrecht eingetriebenen Rundhölzern gebaut, die zusätzlich mit Polyethylen-Folie abgedichtet wurden. Allerdings ist deren Wirksamkeit nur kurz und wird heute nicht mehr empfohlen.
Bei anderen Projekten wurden kleinere Gräben durch Einzelbretter verschlossen, die in die Torfe eingetrieben wurden. Auch diese Sperren sind nicht dauerhaft wirksam, da die Bretter um- oder unterspült werden können.
Aaktuell werden die meisten Sperren aus Spundwänden gefertigt, die senkrecht oder waagerecht in die Torfe getrieben werden. Diese Spundwände werden aus sehr unterschiedlichen Materialien gebaut.
Die Mehrzahl der Sperren besteht heute aus Holz. Diese Hölzer sind mit einer Nut- und Federfräsung gefertigt. Zum Einsatz kommen vor allem Hölzer, die gegenüber Witterungseinflüssen sehr widerstandsfähig sind.
Die Bohlen müssen tief in die gewachsenen Torfe der Grabenschulter und der -sohle verankert werden, um dem Bauwerk eine entsprechende Stabilität zu geben.
Art und Weise der Verbauung
Es gibt unterschiedliche Bauweisen für die Einbringung der Einzelbohlen ins Torf.
Der Quereinbau
Diese Einbringung der Bohlen hat sich nicht bewährt, da hierfür die Torfe tief ausgeschachtet werden müssen. Dadurch wird die natürliche Lagerdichte der Torfe gestört, was später Probleme mit der Dichtheit der Sperren mit sich bringen kann. Gleichzeitig läuft die ausgeschachtete Baugrube rasch voll Wasser, welches durch Schwimmpumpen abgeschöpft werden muss.
Senkrechte Verbauung
Werden die Bohlen senkrecht ins Torf getrieben, kann das auf unterschiedliche Art und Weise geschehen.
Dazu gehören:
- Bagger
Mit einem Bagger können die Bohlen mit dem Greifarm schonend nach unten ins Torf gedrückt werden.
- Elektro-Schlaghammer
Eine andere Möglichkeit bietet ein Elektro-Schlaghammer. Ein umgeformter Aufsatzes am Hammer kann die Hölzer ebenfalls relativ schonend in das Torf verbringen. - Pfahlhammer mit Kunststoffauflage
Eine andere Möglichkeit wäre die Verwendung eines Pfahlhammer mit Kunststoffauflage, um die Bohlen in den Torf zu hämmern. In eigenen Projekten haben wir jedoch festgestellt, dass bei der Verwendung des Hammer es häufiger zum Verkanten der Hölzer führte und dadurch Verletzung der Bohlen im oberen Schlagbereich.
Ausgangssituation Gräben
Für breite Gräben, mit einer relativ große Wasserführung, baut man Sperren, die aus zwei hintereinander liegenden Spundwänden bestehen. Diese doppelwandigen Sperren werden in der Mitte mit Torf aufgefüllt. Dadurch wird eine dämmende Wirkung erzielt und das Bauwerk erhält mehr Stabilität.
Bei Bauwerken in Abflussgräben besteht das Problem, ob und wie das angestaute Wasser abgeleitet werden soll. In Hochmoorschilden, die ausschließlich durch Regenwasser gespeist werden, sollte das Wasser in der Regel überhaupt nicht durch die Gräben abgeleitet werden, sondern in den Torfen verbleiben. Hier kann bei einer entsprechenden Bauausführung auf einen Überlauf verzichtet werden.
Werden Sperren jedoch in Abflussgräben errichtet, die ein großes Wassereinzugsgebiet haben oder Fremdwasser abführen, ist ein geregelter Abfluss notwendig. In Dämmen kann dies zum Beispiel durch Rohrdurchlässe geschehen. Bei doppelwandigen Sperren aus Spundwänden wird häufig ein Überlauf gebaut, der vor allem ein seitliches Umfließen der Sperren verhindern soll. Problematisch bei Überläufen ist jedoch die Auskolkung der Torfe unterhalb der Sperren durch das abfließende Wasser. Dies kann durch den Verbau von Stammhölzern oder durch ein vermindertes Gefälle zumindest minimiert werden.
Alle Bauwerke aus Holz haben in den Mooren in der Regel eine „Sollbruchstelle“. Während sich im dauerhaft nassen Bereich die Hölzer ähnlich wie die Torfe kaum zersetzen und noch nach Jahrzehnten ihre Struktur behalten, zersetzen sie sich in der wechselnassen Zone sehr viel schneller. Gleichzeitig führen hier Schrumpfungen zu Längsrissen, die rasch die Stauwirkung der Spundwände in Frage stellen können. Eine Möglichkeit, diese zu verhindern, ist die Überwallung des Holzbauwerkes mit Torfen. Dies führt zu einer ausgeglichenen Feuchte der Hölzer, Austrocknungen können so minimiert werden.
Grabensperren in tiefgründigen Mooren stellen eine Herausforderung dar.
10. Monitoring
Die Kontrolle einer Moorrenaturierung ist wichtig, um zu bewerten, ob die angestrebten Ziele erreicht wurden und ob gegebenenfalls Anpassungen der Maßnahmen erforderlich sind.
Messung von Wasserständen
Ein direkter Indikator für den Zustand eines Moores ist der Wasserstand. Eine Wiedervernässung des Moores ist ein wichtiges Ziel vieler Renaturierungsprojekte. Die Messung der Wasserstände vor und nach einer Maßnahme kann daher Aufschluss über den Erfolg der Renaturierung geben
Untersuchung von Zeigerarten
Moorpflanzen sind häufig an bestimmte Wasserstände und Nährstoffverhältnisse angepasst. Eine Zunahme oder Abnahme bestimmter Arten kann daher auf Veränderungen der Umweltbedingungen hindeuten. So können beispielsweise Torfmoosarten als Zeigerarten für flurnahe Wasserstände verwendet werden.
Untersuchung der Vegetation
Die Untersuchung der Vegetation ist eine weit verbreitete Methode zur Erfolgskontrolle von Moorrenaturierungen. Dabei werden in Dauerbeobachtungsflächen alle Pflanzenarten erfasst und deren Deckung geschätzt. Durch den Vergleich von Aufnahmen in unterschiedlichen Jahren können Änderungen der Vegetation identifiziert werden.
Weitere Indikatoren
Neben Wasserständen und Vegetation können auch andere Indikatoren zur Erfolgskontrolle von Moorrenaturierungen verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise:
- Torfbildung: Eine Zunahme der Torfbildung ist ein Zeichen dafür, dass das Moor wieder in einen natürlichen Zustand übergeht.
- Treibhausgasemissionen: Eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen ist ein wichtiges Ziel vieler Renaturierungsprojekte.
- Tierwelt: Eine Zunahme der Artenvielfalt der Tierwelt ist ein Indikator für eine Verbesserung der Lebensbedingungen im Moor.
Monitoringkonzept
Die Auswahl geeigneter Indikatoren und die Häufigkeit der Messungen sollten im Rahmen eines Monitoringkonzepts festgelegt werden. Ein Monitoringkonzept sollte n. a. folgende Punkte enthalten:
- Welche Indikatoren sollen zur Erfolgskontrolle verwendet werden
- Wie sollen diese Indikatoren erfasst werden
- Wie oft soll gemessen
Fazit
Die Erfolgskontrolle von Moorrenaturierungen ist ein wichtiger Bestandteil von Renaturierungsprojekten. Durch die regelmäßige Überwachung des Moores können Veränderungen des Zustands des Moores identifiziert und gegebenenfalls Anpassungen der Maßnahmen vorgenommen werden.

